Als Eileen Gray 1923 ihr Projekt "Schlafzimmer-Boudoir für Monte
Carlo" im Salon des Artistes Décorateurs ausstellte, wurde es zwar
in Frankreich kritisiert, aber von der holländischen Avantgarde bewundert.
Schon bei diesem Projekt wurde ihr Interesse für die Gestaltung des häuslichen
Raums deutlich. In dem ihr zugeteilten Platz von 4,00 m mal 2,70 m richtete
Eileen Gray ein ganzes Zimmer ein. Es wurden Stufen und Wände gebaut, die
dann angestrichen wurden. Zu der Einrichtung gehörte vor allem ein großer
Wandschirm, ein mit Fell bezogenes Sofa, welches auch als Bett benutzbar war,
ein Schreibtisch aus schwarzem Lack, ein niedriger Tisch, einige Stühle
und einige Teppiche. Die Wände waren weiß. Hinter dem Bett befanden
sich dunkelrote und mattweiße Lackpaneele. Die Tür bestand aus dunkelbraunem
und dunkelgoldenem Lack.
Für dieses Zimmer entwarf Eileen Gray verschiedene Lampen, wie z. B. eine
Decken-lampe, eine Hänge- sowie eine Stehlampe. Der Entwurf des Schlafzimmers
zeugte von Talent und Feingefühl. Hier klang bereits die Formensprache
des Kubismus an. Bei einer Ausstellung holländischer Arbeiten kurze Zeit
später war sie so beeindruckt, daß ihre eigene Ästhetik davon
stark beeinflußt wurde. Eileen Grays Ideenaustausch mit der holländischen
Avantgarde verlieh ihr den Mut, neue Wege einzuschlagen.
Späte AnerkennungAls der amerikanische Sammler Robert Walker 1970 längst vergessene
frühe Lackarbeiten von der Architektin und Designerin entdeckte, interessierte
man sich wieder für ihre Werke. Die Kraft und Originalität ihrer Vision wurde
neu entdeckt. Am 8. November 1972 wurden im berühmten Pariser Auktionshaus Hôtel
Drouot Art-Déco-Möbel des verstorbenen Jacques Doucet versteigert. Unter den
zu versteigernden Möbelstücken befand sich auch der Wandschirm "Le Destin".
Nach 35 Jahren erschien jetzt wieder der Name Eileen Gray in Zeitungen wie Le
Monde und der Londoner Times. Kunstsammler begannen, sich erneut für die Künstlerin
zu interessieren. "Eileen Gray war wieder gefragt" In ihren letzten Lebensjahren
würdigte man ihre Werke durch Ausstellungen in Paris, London, Los Angeles, Brüssel,
Wien und New York. Eileen Gray hatte die große Gelegenheit, die Renaissance
ihrer Möbel aus den zwanziger Jahren noch in den Siebzigern mitzuerleben. Sie
ließ sich von ihrem späten Ruhm nicht allzu stark beeindrucken und sah der Versteigerung
ihrer Möbel zu außergewöhnlich hohen Preisen eher mit einiger Skepsis zu. Dennoch
freute sie sich auch über die Beachtung, die sie aufgrund ihrer vielfältigen
Kunstwerke fand.
Le Corbusier-Tisch-1929
Eileen Gray-Aifklappbarer
Tisch-0
Charles Rennie
Mackintosh-Tisch-1918
Gerrit
Thomas Rietveld-Beistelltisch Red & B-1923
Man verlieh der irischen Künstlerin Ehrentitel in London und in ihrer Heimat.
So wurde Eileen Gray 1972 von der Royal Society of Art in London zum "Royal
Designer for Industry" ernannt. Hierbei handelt es sich um eine Auszeichnung,
die nur auf 70 Personen beschränkt ist und gestattet, die Abkürzung RDI hinter
seinen Namen zu setzen. Vom Royal Institute of the Architects of Ireland wurde
sie im Jahre 1973 zum Ehrenmitglied in "Anerkennung ihrer hervorragenden Beiträge
zur Entwicklung der modernen Architktur und des Designs" gewählt. In einem Brief
schrieb sie: "Ich fühle mich dieser Ehre nicht würdig, und ich bin bewegt, daß
mir am Ende meines Lebens eine solche Auszeichnung zuteil wird. Aber ich nehme
sie mit Dankbarkeit an, als eine Huldigung des irischen Volkes, und ich bin
bemüht, mich dieser Ehrung durch zukünftige Anstrengungen würdig zu zeigen".
George Nelson-Bank-1947